Gedanken zum `superlativen` Kunstsommer 2017

Gedanken bei der Vorbereitung zur Rede von Ausstellung von Michèle Janata.

Dieser Sommer ist wahrlich wieder mal ein Kunstsommer der Superlative. Mit der Skulptur Projekte Münster, der documenta in Kassel und der Biennale in Venedig kann man sich 2017 an Kunst sattsehen. Da hinein darf ich mich jetzt den Arbeiten einer jungen deutsch-kolumbianischen Künstlerin, Michèle Janata widmen. Doch bevor ich das tue,  erlauben Sie mir einen Statement zu den großen Bühnen der Kunst.

Vieles heute ist im Umbruch, Gewalt, Terror, Flüchtlingskrisen, Kriegszustände, Medien- und Cyberschlachten, Tabubrüche in Politik und Diplomatie … der Negativ-Szenarien gibt es mehr als man sich wünscht.  All das beschäftigt auch Künstler, Kulturschaffende und Ausstellungsmacher. Die documenta in diesem Jahr belegt das sehr deutlich. Auf keiner Kunstschau hat es je so viel Kritik an Politik, Medien, Gesellschaft und historischen Sünden gegeben. Mantramäßig wird man durch diese Mammutschau geführt und fragt sich an jeder Stelle, wo taucht jetzt wieder der moralische Zeigefinger auf. Die Künstler haben mehr oder weniger umgesetzt, was sich der polnische Kurator Adam Szymczyk in allumfassender Kunsttheorie ausgedacht hat. Natürlich gibt es auch selbständige und  visionäre Arbeiten…. wer Augen hat zu sehen, der sehe!

Auf der Skulptur Projekte Münster und der Biennale in Venedig konnten Künstler erheblich freier und innovativer ihre Kunst erdenken und präsentieren. Das soll nicht allzu schwarz-weiß klingen, doch es eröffnet  mal wieder die Frage: Was kann und soll Kunst uns eigentlich heute vermitteln? Nur das spiegeln, was wir eh schon aus den Nachrichten wissen …nochmal in andere Bilder verpackt? Oftmals erkennt man in der Qualität der Bilder kaum einen Unterschied zu, z.B. Bildern ambitionierter Hobby-Fotografen.  Es ist ja auch schon alles gemalt, gebildhauert, fotografiert, installiert und in _Ismen gepackt worden … was soll es noch Neues geben? Wo sollen Künstler noch ansetzen? Es ist aber auch schwierig!

Doch die Bilder der Zeit aufzunehmen, sie zu hinterfragen und geistig zu durchdringen, eine künstlerische Aussage zu finden, die der Zeit entspricht und sie kritisch reflektiert.  Dabei sich nicht an den Gegebenheiten klammern, nur Bestandsaufnahme im Kasseler Sinn zu machen sondern sich auf eine Meta Ebene zu begeben, die uns neue Welten eröffnet – für ein Problem dieser Welt, für die Sinnhaftigkeit des Lebens, für den Struggle of life.  Wer da künstlerisch intelligente Ansätze findet, der lässt aufhorchen, hinterlässt keine gähnende Leere. Die Arbeiten der jungen Künstlerin Michèle Janata haben mein ganzes Interesse gefunden…. womit ich jetzt zum eigentlichen Thema komme!